Sonntag, 29. Mai 2016

Meine Schwangerschaftsübelkeit Teil 2

geschrieben von Sabrina





Hallo ihr Lieben,
hier ist die Fortsetzung von meinem letzten Post:


Nun eine Hebamme zu haben, die in der Schwangerschaft für mich da ist, habe ich trotz der permanenten Übelkeit, als Bereicherung empfunden.
Ich konnte sie immer anrufen, ich konnte mich per SMS jederzeit bei ihr aus heulen und ich konnte darauf zählen, dass sie sich um mich kümmert und sich Gedanken um mich und meinen Zustand macht.


Sie kam immer wieder mit neuen Vorschlägen um meine Übelkeit zu bekämpfen. Die erste Maßnahme war natürlich, mir auf mich abgestimmte Globuli zu geben. Parallel dazu gab es für mich noch die Seabands ( Akupressur-band fürs Handgelenk) und 2 mal die Woche Akupunktur.
Wenn es durch diese 3 Maßnahmen irgendeine Verbesserung gab, dann leider nur eine minimale.
Nausema und Vomex haben mir leider auch nicht geholfen.


Was mir meine Übelkeit zusätzlich noch verschlimmert hatte, war das ich plötzlich übermäßigen Speichelfluss bekommen habe. Und das war wirklich schrecklich. Es war so viel, dass ich es nicht einfach runter schlucken konnte. Ich habe den ganzen Tag in Taschentücher gespuckt und es war nicht nur deprimierend, sondern auch total verschwenderisch. Ich musste den ganzen Tag lang Taschentücher und Müllbeutel in meiner Nähe haben. Am Tag habe ich einen großen Müllbeutel voll bekommen. Es war für mich also höchste Priorität diesen Speichelfluss loszuwerden, da ich dachte wenn der Speichel verschwindet, verschwindet auch die Übelkeit.


Die ersten 17 Wochen habe ich also kaum was gegessen und getrunken, meine Folsäure Tabletten konnte ich auch nicht immer nehmen, da sie oft sofort wieder hochkamen und aufgestanden bin ich glaube ich nur, wenn ich auf die Toilette gehen musste oder wenn man mich gezwungen hatte, im Wohnzimmer mal etwas Fern zu schauen oder auf die Terrasse zu gehen. Trotz der Appetitlosigkeit und der Tatsache, dass ich nichts in mir behalten konnte, bekam ich von meinen Eltern so gut wie jede Stunde eine Kleinigkeit zu essen, da es ja auch gegen die Übelkeit helfen könnte. Woran ich mich gut erinnern kann ist, dass das Einzige was ich nicht sofort wieder ausgebrochen hatte, Pizza war. :-D


Trotz allen Bemühungen und der voranschreitenden Schwangerschaft habe ich 5 Kilo verloren und wog bei 1.73m nur noch 49kg. Meine Familie wollte weitere Folgen vermeiden, also versuchten sie mich zu überreden ,mich in stationäre Behandlung zu begeben, da es für mich und mein Baby so einfach nicht mehr weiter gehen konnte. Die Überweisung ins Krankenhaus hatte ich schon länger von meiner Ärztin bekommen, aber ein Krankenhaus Aufenthalt mit den Ärzten und ihren Spritzen und Kathetern wäre für mich eine absolute Katastrophe. Da ich aber irgendwann an einem Punkt war, wo ich einfach dachte, dass das alles nicht mehr lebenswert ist, kam der Entschluss „Geh ins Krankenhaus, schlimmer geht es eh nicht mehr“. Vielleicht hört der Wahnsinn ja wirklich mit ein paar Infusionen auf, sagte eine leise hoffnungsvolle Stimme in mir.


Also fuhren wir ins Krankenhaus und es war wirklich eine Katastrophe. Stundenlanges Warten in einem vollen Wartezimmer ohne Klimaanlage an einem heißen Junitag. Ich hing dort auf mehreren Stühlen über meinem Eimer und es interessierte niemanden. Nach mehreren Stunden kam eine Hebamme, die sich das ganze doch nicht mehr angucken wollte und nahm mich direkt mit in den Kreißsaal, um mir eine Infusion zu geben. Und da fing mein persönlicher Alptraum an. Sie konnten mir den Katheter nicht richtig setzten und versuchten und versuchten und scheiterten und versuchten. Wie sie es dann doch irgendwie geschafft hatten, will ich bis heute wirklich gar nicht wissen. Es war schmerzvoll und unangenehm, sodass ich nach ein oder zwei Tagen auf eigenen Wunsch das Krankenhaus verlassen habe. Da entschied ich mich weiter mit der Übelkeit und dem Speichelfluss zu leben, als mich noch einen weiteren Tag mit zusätzlichen Schmerzen am Arm zu quälen.
So wartete ich von einem in den anderen Tag, dass die Akupunktur oder die Seabands Wirkung zeigen würden und wartete vergeblich. Ich versuchte dennoch immer wieder Kleinigkeiten zu essen um Nährstoffe zu erhalten und versuchte so viel wie möglich zu trinken.
Meine Hebamme riet mir, einfach mal weg zu fahren, denn ein Ortswechsel könnte mir und meiner Übelkeit gut tun. Also fuhren wir für ein paar Tage nach Holland ans Meer. Die Autofahrt war schwer für mich, aber in der Tat, habe ich mich dort viel seltener übergeben als zuhause. Die Übelkeit war natürlich immer präsent, genau so wie mein Speichel. Es war also kein angenehmer Urlaub, aber es war doch irgendwie eine Veränderung zu spüren. So hielt ich mich irgendwie über Wasser, bis mir irgendwann aufgefallen war, dass solang ich Pizza oder andere ungesunde Sachen gegessen habe (Pommes, Nudeln, Burger....), die Übelkeit für einen Moment verschwunden war. Also fing ich an zu futtern und zu futtern und besonders abends vor dem Schlafen gehen, habe ich immer einen großen Teller Fast Food gegessen, damit ich mal Durchschlafen konnte(oft konnte ich nur ein paar Stunden schlafen wegen der Übelkeit) . Viel Getrunken habe ich auch, wenn ich mal auf mein Essen warten oder es selbst zubereiten musste. Auf die Idee tagsüber einfach die ganze Zeit auf Karotten und Kohlrabi zu kauen, während ich kein wirklichen Hunger hatte, kam mir leider nicht. Also habe ich von Monat zu Monat ca. 2-4 Kilo zugenommen, sodass ich am Ende meiner Schwangerschaft 30 Kilo mehr auf der Waage angezeigt bekam.
Das hatte mich natürlich auch sehr traurig und verzweifelt gemacht. Doch diese verdammte Übelkeit auf diese Weise etwas eindämmen zu können, war mir das ganze Gewicht wert.


Ich habe also jedes mal, wenn ich eine zu starke Übelkeit verspürte etwas gegessen, ob es direkt nach dem Duschen war, oder direkt nach dem Zähneputzen oder mitten in der Nacht. Und ja es hat geholfen. Mein Magen hat sich also nach den 24 Wochen in soweit gebessert, dass ich ihn mit einer Nahrungsaufnahme schnell wieder beruhigen konnte. In den ersten 12 Wochen hätte das niemals funktioniert, da ja sofort wieder alles raus kam. Dazu kam noch ein letzter Versuch meiner Hebamme Arnika in Form von Globuli zu nehmen und mit diesen Globuli habe ich mich wirklich besser gefühlt.
Mit mehreren Snacks im Gepäck und einer großen Flasche Wasser konnte ich also wieder das Leben genießen, sogar für ein paar Stunden zur Arbeit konnte ich gehen und ich hatte wieder Lust etwas unternehmen.


Die Schwangerschaft hat sehr an meinen Kräften, an meiner Gesundheit und an meinen Nerven gezerrt und ich wünsche es wirklich keinem, so eine Schwangerschaft zu erleben.
Ich hätte es auch nie für möglich gehalten, dass ich irgendwann mal darüber stehe und sage „ Hey ich hab es geschafft und du schaffst das auch, wenn es dich genau so erwischt“, aber ohne Flachs; ich würde es genau so sagen. Man hat mir damals immer gesagt „ Du, es gibt auch viel Schlimmeres als das“ oder „ Du wirst dafür mit deinem Baby belohnt“ um mich aufzumuntern und ich habe es gehasst so etwas gesagt zu bekommen. Aber jetzt sehe ich es ein stückweit genauso. Viele die „Hyperememis Gravidarum“ überstanden haben, sind nochmal schwanger geworden und haben es nochmal durchlebt. Und sie bereuen es nicht. Wäre da nicht noch die anschließende Geburt, die nochmal eine ganz andere Hausnummer ist, würde ich es vielleicht auch so sehen. ;-)


Es gibt viele Möglichkeiten, die man ausprobieren kann, um seine Übelkeit in der Schwangerschaft einzudämmen, doch viele (zB. Medikamente oder Globuli) hätte ich niemals ohne Absprache mit meiner Hebamme in Erwägung gezogen. Deshalb fühlte ich mich in sicheren Händen wenn ich mich mit ihr Absprechen konnte, da man ja den Frauenarzt im Normalfall ja auch nur einmal im Monat sieht.
Deshalb kann ich wirklich nochmal jeder Frau ans Herz legen, sich direkt um eine Hebamme zu kümmern. Hebammen stehen Dir mit Rat und Tat zur Seite. Egal ob es Dir in der Schwangerschaft gut geht oder auch nicht.  

Liebste Grüße
eure Sabrina

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